Sonntag, 15. Mai 2016

Einen Abend mit Lulu ...

... konnte ich gestern verbringen.

Die Premiere im Wuppertaler Opernhaus fand vor einem nicht besonders großen Publikum statt, etwa die Hälfte der Plätze blieb  leer.

Ich gebe zu, eine Oper wie "Lulu" ist wohl etwas gewöhnungsbdürftig und da ich kein häufiger Opernbesucher bin, habe ich mich vorher  über diese Oper und  deren Aufführungen ein wenig informiert.
Eine sehr gute Beschreibung fand ich hier

Mit  diesen Informationen und gewissen Erwartungen machte ich mich dann auf den Weg ins Opernhaus.
Was mich dann dort erwartete, hatte ich wiederum nicht erwartet.
Die Musik erinnerte mich teilweise an Stockhausen und klang stellenweise für meine Ohren recht disharmonisch, was aber nicht am Orchester, sondern an den Kompositionen lag.
Die Stimmen der Sänger waren hervorragend und kamen allen Kapriolen des Komponisten ohne Schwierigkeiten nach, allerdings fand ich es bedauerlich, dass diese oftmals vom Orchester derart unterdrückt  wurden, dass sie unhörbar waren.
Eine gute Idee fand ich die deutschen Übertitel, so konnte man zumindest den Text mitlesen, wenn er unverständlich war.
Was mir in keiner Weise zusagte, war die Ausstattung und die Umsetzung der Handlung.
Im "Opernführer" heißt es,  dass z.B. die erste Szene im Atelier eines  Malers spielt und ein halbfertiges Bild von Lulu auf der Staffelei steht.
Was, so frage ich mich,  soll mir da ein rundes Podest, auf dem  eine dicke Schicht Schotter aufgeschüttet wurde, auf dem sich wiederum Alwa und Dr. Schön  während ihres  "Dialogs"  auf dem Boden wälzen,   sagen  und was die Leinwand mit einem schwarzen, auf der Spitze stehenden Dreieck, statt des halbfertigen Gemäldes?
Dies um nur ein Beispiel zu nennen.
Ich begreife nicht, was sich der Regisseur dabei gedacht hat, die Handlung  insgesamt derart zu verfremden, dass sie für mein Verständnis  insgesamt  nicht nur unverständlich, sondern  lächerlich wirkte.
Es mag sein, dass im "modernen" Theater andere Vorstellungen herrschen, als zu den Zeiten der Erschaffer der Werke, aber diese Werke derart zu "verunstalten" finde ich, ist ein Affront gegen eben diese Erschaffer.
Dieser Meinung schienen auch einige Zuschauer zu sein, denn nach dem ersten Akt nahm die Zahl der Zuschauer um einige ab.
Eine alte Volksweisheit sagt: Über Geschmack soll man nicht streiten.
Das möchte ich hier auch nicht,  aber ich gebe zu bedenken, dass es schon einen Grund haben wird, dass (gefühlt) immer weniger Menschen solche Darbietungen besuchen.
Einiges zu der Aufführung im Wuppertaler Opernhaus gibt es hier

Ich gehe einmal davon aus, dass die Plätze im 2. Rang für "die kleinen Leute" gedacht sind, wobei ich "klein" auf die Köpergröße beziehen möchte, denn mit meinen 1,85 m war es nur möglich schräg auf meinem Platz zu sitzen, da dort erheblich weniger Raum war, als in einem Charterflugzeug.

Auch ist mir aufgefallen, dass sich das Verhältnis  Zuschauer zur  Kunst gewandelt  zu haben scheint, so "spielte" ein älterer Herr in der Reihe vor mir fast während eines ganzes Aktes mit seinem Handy oder Smartphone, nahm einzelne Szenen auf und sah sie sich wieder an.

Ein, wie ich finde, unmögliches Verhalten, aber so sind die Leute ...

... meint der ...
... alles in allem einen interessanten Abend erlebt habende ...
... Hollaender

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